ZUM HAUPTMENU / Impressionen aus Mauritius - Juni 2002
     
 
     

"7-färbige" Erde

Bucht mit Muschelinsel

Landschildkröten
     

im botanischen Garten

im botanischen Garten

Port Louis
     

Grand Baie
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Sonnenuntergang

Mauritius
Republik Mauritius

Geografie
Das Land         
Die Republik Mauritius ist ein kleiner Inselstaat, der etwa 1900 km von der afrikanischen Ostküste und 800 km von der Insel Madagaskar entfernt im Indischen Ozean liegt. Er umfaßt neben der Hauptinsel Mauritius (1865 qkm) die Insel Rodrigues (104 qkm) und die beiden Inselgruppen Agalega (75 qkm) und Cargados-Carajos (1,3 qkm). Mit einer Staatsfläche von insgesamt 2040 qkm ist der Inselstaat annähernd so groß wie das deutsche Bundesland Saarland. Gemeinsam mit dem französischen Überseedépartment Réunion bilden die Inseln Mauritius und Rodrigues die Inselgruppe der Maskarenen.
Mauritius und Rodrigues sind vulkanischen Ursprungs und von Korallenriffen umsäumt. Die Landesfläche von Mauritius ist ein ca. 600 m über dem Meerespiegel befindliches Plateau, das den Boden eines Vulkankraters darstellt. Die umgebenden Berge sind die Reste des Kraterrandes, der höchste Gipfel der Insel und gleichzeitig der Republik ist der Piton de la Rivière Noire mit 828 m. Das Hochplateau ist durch zahlreiche Wasserläufe gegliedert, die in tiefen Schluchten verlaufen. Der längste Fluß ist der Grande Rivière Sud-Est, der im Zentrum der Insel entspringt und an der Ostküste ins Meer mündet. Im südlichen Teil der Insel liegen mehrere Süßwasserseen, der größte von ihnen mit einer Fläche von 5,6 qkm ist Mare aux Vacoas. Die Küsten der Insel sind meist steil und teilweise stark gegliedert. Im Abstand von ca. 200 m bis 5 km vor der Küste liegen Korallenriffe, die fast die gesamte Insel umgeben. Zwischen der Küste und den Korallenbänken liegen ausgedehnte Lagunen, deren Wassertiefe 3 m nicht übersteigt.
Die Insel Rodrigues liegt etwa 560 km östlich von Mauritius und ist ebenfalls von Korallenriffen umgeben. Die höchste Erhebung ist hier der Mont Limon mit 396 m.
Rund 1000 km nördlich der Insel Mauritius liegt der Agalega-Archipel, der aus zwei durch eine Sandbank verbundenen Koralleninseln besteht. Über 20 kleine und unbewohnte Koralleninseln bilden die Gruppe der Cargados-Carajos-Inseln, die etwa 400 km nordöstlich von Mauritius liegen.
Die Hauptstadt der Republik, Port Louis, liegt im Nordwesten der Insel Mauritius an der Küste.

Klima
Auf den Inseln herrscht tropisch-ozeanisches Klima, das durch ganzjährig hohe Temperaturen gekennzeichnet ist. Im Sommerhalbjahr (Dezember bis März) liegen die mittleren Temperaturen an der Küste um 27°C, im Hochland bei rund 24°C. In diesen Monaten fällt ein Großteil der Niederschläge: während an der Nordwestseite der Insel Mauritius bis zu 1000 mm Regen gemessen werden, sind es an der Südostseite bis zu 4000 mm. Im Winterhalbjahr liegen die mittleren Temperaturen bei ca. 21°C an der Küste und 18°C im Hochland. In den Monaten Dezember bis März können Wirbelstürme (Zyklone) auftreten.

Flora und Fauna
Die ursprüngliche Vegetation auf Mauritius und Rodrigues bestand aus tropischem Regenwald, der nur noch in Restbeständen vorhanden ist. Heute sind mehr als 60% der Landesfläche Kulturland. Es dominieren eingeführte Baumarten wie z.B. Teak, Mahagoni, Kiefer, Casuarine, Eukalyptus, Mandel, Banyan (Würgefeige), Tamarinde und Tulpenbaum. In sumpfigen Gebieten wachsen Mangroven, vor allem an den Küsten finden sich verschiedene Palmenarten.
Die ursprüngliche Tierwelt auf den Inseln der Republik Mauritius wies abgesehen von Fledertieren keine Säugetiere auf. Heute finden sich auf den beiden größten Inseln Hasen, Java-Hirsche, Halbaffen (Makaken) und verschiedene Nagetiere, die von den Menschen eingeführt wurden. Zu den ausgerotteten Tierarten gehören z.B. die Riesenschildkröte und der flugunfähige Dodo (Dronte), ein bis zu 25 kg schwerer Laufvogel. Die Vogelwelt ist überaus artenreich, zu den endemischen Arten gehören z.B. der Mauritius-Falke, die Mauritius-Taube und der Mauritius-Papagei. An Seevögeln kommen u.a. Rußseeschwalben und Rot- und Weißschwanztropikvögel vor.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung   
Rund 1,17 Millionen Menschen leben auf den Inseln der Republik Mauritius, die mit durchschnittlich 574 Einwohnern pro Quadratkilomter sehr dicht besiedelt sind. Ein Großteil der Bevölkerung lebt auf der Insel Mauritius, auf Rodrigues sind es ca. 35.600, auf Agalega ca. 500. Die größte städtische Siedlung ist die Hauptstadt Port Louis mit etwa 150.000 Einwohnern. Weitere Städte sind z.B. Beau Bassin-Rose Hill mit ca. 95.000 und Vacoas-Phoenix mit rund 93.000 Einwohnern, beide Städte liegen im Hochland auf Mauritius.
Die größte Bevölkerungsgruppe mit annähernd 60% sind die Nachkommen der im 19. Jahrhundert eingewanderten Inder. Über 30% sind Kreolen, die von Europäern und Schwarzafrikanern abstammen. Drittstärkste Volksgruppe mit schätzungsweise 3% sind Chinesen. Weiße Europäer (Franko-Mauritier) haben einen Anteil von ca. 2,3% an der Bevölkerung und stellen die einkommensstärkste Schicht dar.
Größte Religionsgemeinschaft mit über 50% sind Hindus, zweitgrößte Gruppe sind Christen (ingesamt rund 30%, überwiegend Katholiken). Anhänger des Islam meist sunnitischer Ausprägung stellen rund 16% der Bevölkerung. Buddhisten sind eine religiöse Minderheit. Die Amtssprache auf Mauritius ist Englisch, Französisch ist als Bildungssprache verbreitet, fast alle Einwohner sprechen Mauritianisch, ein französisches Creol mit afrikanischen und asiatischen Elementen.
Mauritius gehört zu den wohlhabenden Ländern Afrikas. Das Bevölkerungswachstum liegt bei knapp 1%. Die mittlere Lebenserwartung ist mit 72 Jahren für Frauen und 68 Jahren für Männer deutlich höher als der afrikanische Durchschnitt. Sozial- und Gesundheitswesen sind gut ausgebildet. Die Analphabetenquote wird mit rund 17% angegeben.

Geschichte
Vermutlich wurde die Insel Mauritius bereits im 10. Jahrhundert n.Chr. von arabischen Seefahrern betreten, aber nicht besiedelt. Im Jahre 1510 wurde sie vom portugiesischen Seefahrer Pedro Mascarenhas entdeckt, zu diesem Zeitpunkt war sie nach wie vor unbewohnt. Von ihm erhielt die Inselgruppe (Mauritius, Rodrigues und Réunion) den Namen „Maskarenen“.
Da die Inseln abseits der von den Portugiesen bevorzugten Seeroute nach Indien lag, wurden sie erst knapp 200 Jahre später von den Niederländern besiedelt, deren Seewege entlang der Maskarenen verliefen. 1598 nahmen sie die Insel Mauritius in Besitz und gaben ihr nach einem holländischen Prinzen (Maurits von Oranien) ihren Namen. Ab 1638 wurden erste Siedlungen auf Mauritius errichtet. 1710 zogen sich die Niederländer von der Insel zurück, die nun von Piraten als Stützpunkt genutzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren die Wälder der Insel fast vollständig abgeholzt worden.
Frankreich hatte bereits 1638 die Inseln Rodrigues und Réunion in Besitz genommen, 1715 eigneten sie sich auch Mauritius an und nannten die Insel „Île de France“. 1725 wurde die Insel Eigentum der Französisch-Ostindischen Handelsgesellschaft. Die heutige Hauptstadt Port Louis wurde gegründet, hier residierte der Gouverneur. Auf der Insel wurden weitläufige Zuckerrohrplantagen angelegt, für deren Bewirtschaftung schwarze Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar geholt wurden. Für die Verarbeitung wurde eine erste Zuckerfabrik errichtet. 1767 wurde Mauritius französische Kronkolonie, nachdem die Französisch-Ostindische Handelsgesellschaft Bankrott gegangen war.
1810 eroberten britische Truppen die Insel und nannten sie wieder Mauritius, vier Jahre später wurde sie britische Kronkolonie. Auch Rodrigues fiel in britische Hände, während Réunion französisch blieb. Die britischen Besatzer nahmen nur wenig Einfluß auf die bestehenden Verhältnisse, wodurch sich auf den Inseln die französische Kultur erhalten konnte.
Nachdem 1835 die Sklaverei von der britischen Kolonialmacht offiziell verboten worden war, wurden für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen sog. „Kontraktarbeiter“ aus Indien und China auf die Insel geholt. Die Bevölkerung auf den beiden Inseln stieg sprunghaft an (1835: ca. 90.000, 1860: ca. 300.000). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fielen schätzungsweise 50.000 Bewohner der Inseln mehreren Malaria-Epidemien zum Opfer. Ab 1871 wurde die Zuwanderung von Indern unterbunden, die zu diesem Zeitpunkt einen Anteil von rund 60% an der Gesamtbevölkerung hatten. Nur eine kleine weiße Minderheit innerhalb der Bevölkerung (Franko-Mauritier) hatte politische Rechte inne und bildete die Oberschicht.
Durch die Eröffnung des Suezkanals 1869 und den sinkenden Weltmarktpreis für Zuckerrohr erlitt die Wirtschaft der Insel schwere Einbußen. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs stieg der Zuckerbedarf wieder an und die Wirtschaft erholte sich. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mauritius als Militärstützpunkt von Großbritannien genutzt. Nach dem Ende des Krieges wurde der Insel von Großbritannien beschränkte innere Selbstverwaltung gewährt. 1958 wurde politische Autonomie und das allgemeine Wahlrecht eingeführt.
Erste politische Parteien waren in den 30er Jahren entstanden: 1936 hatten Inder und Kreolen auf Mauritius die Arbeiterpartei „Parti Travailliste“ (PTM) gegründet. 1953 entstand die „Parti Mauricien Social Démocrate“ (PMSD). Nachdem Mauritius im März 1968 innerhalb des britischen Commonwealth als parlamentarische Monarchie unabhängig geworden war, bildeten beide Parteien eine Regierungskoalition unter Seewoosagur Ramgoolam als Premierminister. Staatsoberhaupt war offiziell die britische Monarchin.
Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage kam es wiederholt zu Generalstreiks und Unruhen unter der Bevölkerung. Daraufhin ließ Premier Ramgoolam 1972 den Ausnahmezustand verhängen und verschob die anstehenden Neuwahlen. Die nächsten Wahlen fanden 1982 statt und der bis zu diesem Zeitpunkt amtierende Ramgoolam wurde mit überwältigender Mehrheit abgewählt. Neuer Premierminister wurde der sozialistisch orientierte Aneerood Jugnauth von der MSM (Mouvement Sozialiste Mauritien), die eine Splitterpartei der marxistisch orientierten MMM (Mouvement Militant Mauricien) war.
Im März 1992 erhielt der Inselstaat eine neue Verfassung, die das Land in eine Republik umwandelte. Der erste Staatspräsident wurde H. E. Cassam Uteem (MMM), Regierungschef blieb Jugnauth, der seit seinem Amtsantritt 1982 für einen stabilen Wirtschaftsaufschwung gesorgt hatte.
Bei Neuwahlen 1995 gewann das Parteienbündnis aus PTM und MMM alle Sitze des Parlaments. Neuer Regierungschef des Landes wurde der Vorsitzende des PTM, Navin Ramgoolam, der die erfolgreiche Wirtschafts- und Sozialpolitik seines Vorgängers fortsetzte.
Ende der 90er Jahre stand Mauritius an der Schwelle zum Industrieland. Bei den Parlamentswahlen im September 2000 errang das Oppositionsbündnis aus den beiden Parteien MMM und MSM (Mouvement Militant Mauritien/Mouvement Sozialiste Mauritien) 54 der insgesamt 62 Sitze. Erneut übernahm Aneerood Jugnauth, der bereits 1982 bis 1995 Regierungschef war, das Amt des Premierministers.

Politisches System
Hauptstadt: Port Louis      
Gemäß der Verfassung von 1992 ist der Inselstaat eine demokratische Republik mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit 1992 Cassam Uteem), der von der Nationalversammlung für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird. Chef der Regierung ist der Premierminister (seit September 2000 Aneerood Jugnauth), der vom Staatspräsidenten ernannt wird und dem Parlament verantwortlich ist. Die legislative Gewalt liegt bei der Nationalversammlung mit insgesamt 66 Abgeordneten. 62 von ihnen werden direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt, vier werden als Vertreter von Minderheiten ernannt.
Mauritius ist in neun Verwaltungsdistrikte gegliedert.


Wirtschaft   
Seit dem Erreichen der Unabhängigkeit im Jahr 1968 hat sich die Wirtschaft des Inselstaates Mauritius positiv entwickelt und wies Wachstumsraten von um die 5% auf. Die Arbeitslosenquote ist niedrig, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen ist Mauritius eines der wohlhabenden Länder Afrikas.
Die Landwirtschaft trägt rund ein Zehntel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und beschäftigt rund 15% der Erwerbstätigen. 90% der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden für den Anbau von Zuckerrohr verwendet, für den Export werden weiter Tee und Tabak angebaut. Der Verkauf von Zuckerrohr bzw. Zuckerprodukten erbringt rund ein Viertel der Exporterlöse. Lebensmittel für den Eigenbedarf der Bevölkerung müssen importiert werden. Die Fischerei hat traditionell nur wenig Bedeutung.
Die Industrie entwickelt sich aufgrund einer guten Infrastruktur und niedrigen Arbeitslöhnen positiv. Zahlreiche ausländische Firmen haben sich – durch Steuer- und Zollvorteile angelockt – hier niedergelassen. Es gibt Betriebe aus den Bereichen Textil- und Lederverarbeitung, Nahrungs- und Genußmittelherstellung und Elektrotechnik.
Eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft von Mauritius spielt der Fremdenverkehr, Zielgruppe sind Touristen der gehobenen Einkommenskategorie. Über eine halbe Million Gäste besuchen jedes Jahr die Insel. Ca. 10% der Erwerbstätigen sind in der Tourismusbranche beschäftigt. Die Regierung plant einen Ausbau des Tourismus, auch auf den Inseln Rodrigues und Agalega.
Haupthandelspartner beim Export (Textilien, Zucker, Melasse, Tee) sind Großbritannien, Frankreich, die USA und Deutschland. Eingeführt werden vor allem Nahrungsmittel, Konsumgüter, chemische Produkte, Maschinen und Fahrzeuge. Hauptlieferländer sind Frankreich, Südafrika, Indien und Großbritannien.
Das Straßennetz auf Maruitius ist gut ausgebaut und umfaßt ingesamt rund 1900 km. Port Louis ist ein bedeutender Handelshafen. Im Südosten von Mauritius in der Nähe der Stadt Mahébourg befindet sich ein internationaler Flughafen