ZUM HAUPTMENU / Impressionen aus MEXIKO/YUCATAN - SEPTEMBER 2003
     
 

Chichen Itza - Maya-Kultur
Kukulkan-Pyramide

Chichen Itza - Maya-Kultur
Krieger-Tempel mit 1000 Säulen

Tulum - Maya-Kultur
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Mexiko
Vereinigte Mexikanische Staaten

Geografie
Das Land         
Die Vereinigten Mexikanischen Staaten liegen zwischen dem Golf von Mexiko im Osten (Atlantik) und dem Pazifischen Ozean im Westen. Im Norden grenzt das Land an die Vereinigten Staaten von Amerika, im Südosten an Belize und im Süden an Guatemala. Mit einer Fläche von rund 1.959.000 qkm ist Mexiko mehr als fünfmal so groß wie Deutschland und nach Brasilien und Argentinien das drittgrößte Land Lateinamerikas. Zum Staatsgebiet gehören auch die Insel Guadaloupe und die Revillagigedo-Inseln im östlichen Pazifik.
Ein Großteil der Landesfläche gehört geologisch zu Nordamerika. Der nordamerikanische Kordillerengürtel, der den Westen der USA durchzieht, setzt sich im mexikanischen Hochland fort, mehr als die Hälfte der gesamten Landesfläche liegt oberhalb von 1500 m. Das Hochland ist von hohen Randgebirgen umschlossen, die in Richtung Osten zum Golf von Mexiko und in Richtung Westen zum Pazifik hin steil abfallen. Von der Grenze zu den USA im Norden steigt das Land von rund 900 m an auf über 2300 m bei der Hauptstadt Mexiko City. Die Randgebirge erreichen teilweise Höhen über 4000 m: Im Osten des Hochlandplateaus erhebt sich die Sierra Madre Oriental, die die Fortsetzung der nordamerikanischen Rocky Mountains darstellt und sich in zahlreiche Gebirgsketten verzweigt, im Westen erhebt sich die Sierra Madre Occidental. Weiter in Richtung Westen liegt der Golf von Kalifornien und die rund 1200 km lange Halbinsel Baja California (Niederkalifornien) mit dem Cerro de la Encantada (3078 m) als höchste Erhebung.
Im Süden wird das Hochlandplateau durch die Cordillera Volcánica abgegrenzt, eine in Ost-West-Richtung verlaufende Kette von teilweise noch aktiven Vulkanen. In diesem Gebiet liegen auch die höchsten Gipfel Mexikos, der Pico de Orizaba (oder Citlaltépetl) mit 5700 m, der noch aktive Popocatépetl mit 5452 m und der Iztaccíhuatl mit 5286 m.
Südlich der Vulkankette verläuft – getrennt durch die Senke des Río Balsas – die Sierra Madre del Sur, die sich etwa 1200 km parallel zur Küste des Pazifik hinzieht und Höhen bis zu 3700 m erreicht. Im Osten bildet die Landenge von Tehuantepec die schmalste Stelle des Landes (mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von rund 216 km). Südöstlich der Landenge befindet sich das Bergland von Chiapas (bis zu 4000 m), östlich der Landenge das Tiefland von Tabasco und die flache, verkarstete Halbinsel Yucatán, deren Großteil zu Mexiko gehört.
Einer der wenigen großen Flüsse Mexikos ist der Rió Bravo del Norte, der über 1994 km die Grenze zu den USA bildet (hier heißt der Fluß Rio Grande), bevor er in den Golf von Mexiko mündet. Die Hauptstadt Mexiko-Stadt (Ciudad de Mexico) liegt im Landesinneren auf einer Höhe von rund 2300 m.

Klima
Durch die große Nord-Süd-Ausdehnung des Landes ist das Klima im Norden Mexikos subtropisch mit größeren Temperaturschwankungen, südlich des Nördlichen Wendekreises tropisch. Auch durch die Höhenunterschiede gibt es große klimatische Unterschiede. In den nördlichen Landesteilen gibt es heiße, trockene Sommer und milde Temperaturen im Winter. Im Süden ist es das ganze Jahr über feuchtheiß, die Temperaturunterschiede sind über das ganze Jahr gesehen nur gering. In Acapulco an der Südwestküste werden im Januar Durchschnittswerte von 26°C, im Juli von 29°C gemessen. In Mexiko-Stadt, das auf rund 2300 m Höhe im Landesinneren liegt, sind es im Januar rund 12°C, im Juli 19°C. Vor allem im südlichen Bergland lassen sich vier Klimazonen unterscheiden: die sog. heiße Zone (Tierra caliente) reicht bis etwa 800 m mit Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 25°C und 30°C, die gemäßigte Zone (Tierra templada) bis 1700 m (17°C bis 23°C), die kalte Zone (Tierra fría) bis ca. 4500 m (13°C bis 17°C) und die Zone des ewigen Eises (Tierra helada) beginnt ab etwa 4500 m, wo die Jahresmitteltemperatur unterhalb von 10°C liegt.
Die trockensten Gebiete Mexikos sind die Steppen- und Wüstengegenden an der Grenze zu den USA, hier werden teilweise unter 100 mm gemessen. Auch die Halbinsel Niederkalifornien ist unter dem Einfluß des kalten Kalifornischen Stroms extrem trocken. An der Pazifikküste liegen die Durchschnittswerte bei 800-1000 mm, während sie an der Atlantikküste mit ca. 1500 mm deutlich höher sind. Die meisten Niederschläge erhalten die Ostseite der Sierra Madre Oriental mit bis zu 4000 mm und das Bergland von Chiapas (2500 mm). In Mexiko-Stadt werden durchschnittlich 750 mm gemessen.

Flora und Fauna
In der reichhaltigen Flora und Fauna Mexikos finden sich sowohl nord- als auch südamerikanische Arten. Obwohl die Baumbestände durch den Menschen bereits stark dezimiert wurden, gibt es noch weite Waldgebiete. An den regenreichen Hangseiten der Kordilleren findet sich Regen- bzw. Nebelwald, die in den höheren Lagen in Mischwälder (Kiefer, Eiche, Wacholder) und dann in Nadelwälder übergehen. Die Waldgrenze liegt in etwa bei 4000 m. Im Norden Mexikos in den trockenen Gebieten findet sich Dornstrauchvegetation und zahllose Kakteenarten, mit zu den größten gehört der sog. Kandelaberkaktus, der bis zu 15 m hoch werden kann. Typisch für diese Zone sind auch Agaven, Yuccapalmen und sog. Mesquitegewächse. Das Tiefland von Tabasco im Süden des Landes weist weite Sumpfflächen auf und tropischen Feuchtwald, die Halbinsel Yucatán überwiegend Trockenwald und Dornstrauchsavanne.
Auch die Tierwelt Mexikos ist sehr artenreich, vor allem bei Reptilien und Vögeln. An größeren Säugetieren kommen Bären, Luchse, Präriewölfe, Hirsche ebenso vor wie Jaguare, Ozelote, Tapire, Gürteltiere und verschiedene Affenarten, wobei diese häufig nur noch in ausgewiesenen Schutzgebieten bzw. unzugänglichen Gebieten zahlreicher vorkommen. Neben Alligatoren und Schildkröten gibt es in den Sümpfen und Lagunen zahlreiche Schlangen-, Molch- und Eidechsenarten. In den tropischen Regenwäldern sind die verschiedenen Vogelarten besonders zahlreich (Papageien, Kolibris), an den Küsten finden sich u.a. Flamingos, Reiher und Pelikane.


Kultur und Gesellschaft
Bevölkerung   
Knapp 98 Millionen Menschen leben in den Vereinigten Mexikanischen Staaten. Mitte der 90er Jahre lebten rund drei Viertel der Menschen in Städten bzw. deren direkter Umgebung. Mexiko-Stadt allein zählt über 21 Millionen Menschen (Großraum), weitere größere Städte sind Guadalajara mit rund 3,4 Millionen und Nezahualcóyotl mit 1,4 Millionen. Zwei Drittel der mexikanischen Bevölkerung bestehen aus Mestizen, also Nachfahren von Indianern und Weißen. Der Anteil der Indios ist rückläufig, 1997 waren es rund 10%. Die größten Gruppen unter den Indios sind die Nahua, Otomí und Rarasken im zentralen Hochland, Totonaken und Huaxteken an der Golfküste, Maya auf der Halbinsel Yucatán und Zapoteken und Mazateken im südlichen Bergland von Chiapas. Insgesamt gibt es über 40 Indiogruppen. Rund 10% der Gesamtbevölkerung sind Weiße, die fast alle altspanischer Herkunft sind (Kreolen). Die Landessprache ist Spanisch und wird vom überwiegenden Teil der Bevölkerung gesprochen, daneben werden heute noch an die 40 Indiosprachen verwendet. Rund 90% der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, Protestanten haben einen Anteil von rund 5%.
Für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren besteht Schulpflicht, die staatlichen Schulen sind kostenlos. Die Analphabetenquote liegt bei durchschnittlich 10%, da vor allen in den ländlichen Bereichen die Grundschule oft nicht ganz absolviert wird. Unter den Indios liegt die Analphabetenquote bei 40%.
Das Sozial- und Gesundheitswesen ist im Prinzip gut ausgebaut, doch im ländlichen Raum und in den schnell wachsenden Elendsvierteln der großen Städte ist vor allem die medizinische Versorgung oft unzureichend. Die Lebenserwartung liegt für Frauen bei 72, für Männer bei 69 Jahren.

Geschichte
Schätzungsweise schon 20.000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung begann die Besiedelung des mexikanischen Hochlands durch Jäger und Sammler (ca. ab 5500 v.Chr. auch Ackerbau). Ab 1200 v.Chr. bildeten sich erste Hochkulturen mit Städten heraus (u.a. Tlatilco, Monte Albán, Teotihuacán), die untereinander Handel betrieben. Auf der Halbinsel Yucatán und im Norden des heutigen Guatemala bildete sich das Reich der Maya heraus, dessen Blütezeit zwischen 300 und 900 n.Chr. lag. Die Mayas verfügten über eine Hieroglyphen-Schrift und über ein Kalenderwesen.
Im 8. Jahrhundert n.Chr. lebten im Gebiet des heutigen Mexiko neben den Mayas u.a. Olmeken, Zapoteken, Mixteken, Tolteken, Chichimeken und Tepaneken. Vermutlich gab es über 100 politische und religiöse Zentren auf dem Gebiet des heutigen Mexiko, wobei auf der Halbinsel Yucatán und in Südmexiko die Kultur der Maya dominierte, während sich in Zentralmexiko das Reich Teotihuacán ab dem 2. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Macht herauskistallisierte. Beide Kulturen wurden später von der der Tolteken überlagert.
Im 14. Jahrhundert siedelten sich die Azteken, die „Mexika“ genannt wurden (und somit Namensgeber für das heutige Mexiko waren) an der Stelle der heutigen Hauptstadt auf einer Insel im Texcocosee an und stiegen in den kommenden Jahrzehnten zur führenden Macht in Zentral-Mexiko auf. Im 15. Jahrhundert vergrößerte ihr König Montezuma I. das Herrschaftsgebiet, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts von der Golf- bis zur Pazifikküste reichte. Mittelpunkt war die Stadt Tenochtitlán, die mehr als 200.000 Einwohner zählte.
Nachdem Christoph Kolumbus den südamerikanischen Kontinent entdeckt hatte, erkundete er bis 1504 die gesamte Ostküste Mittelamerikas. Im Glauben, die Westroute nach Indien gefunden zu haben, nannte er die Ureinwohner kurzerhand „Indianer“. 1519 gründete der spanische Gesandte Hernán Cortés im Auftrag Spaniens die erste Siedlung auf dem Festland (Veracruz), mit rund 500 Soldaten begann er mit der Eroberung des Hinterlandes. 1521 standen die Spanier vor den Toren Tenochtitláns. Nach einer Belagerungszeit wurde die Stadt erobert und zerstört. Zahlenmäßig war das Heer der Azteken den spanischen Soldaten weit überlegen gewesen, doch eine ausgeklügelte Bündnispolitik von Cortés mit verfeindeten Indiostämmen und die Feuerwaffen der Conquistadoren führten zum raschen Sieg des kleinen spanischen Heeres. Zwei Jahre später waren der Westen und der Südwesten des heutigen Mexikos in der Hand der Spanier. Es begann die Christianisierung der Bevölkerung durch Mönche und die Einführung der Zwangsarbeit in Minen und auf den Feldern. Bis 1580 starben schätzungsweise zwölf Millionen Indios durch Krankheiten, die von den Spaniern eingeschleppt worden waren bzw. an den Folgen der Zwangsarbeit und Mißhandlungen. Dieses Massensterben reduzierte die Bevölkerung der Indios bis Anfang des 19. Jahrhunderts von ursprünglich rund 20 Millionen auf drei Millionen.
1535 wurde das spanische Vizekönigreich Neu-Spanien ausgerufen (das weit mehr Gebiete als die des heutigen Mexiko umfaßte). Durch die vorhandenen Gold- und Silberminen wurde Mexiko aber die wichtigste Kolonie der Spanier in der neuen Welt. Zentrum wurde die auf den Trümmern von Tenochtitlán erbaute Stadt México (heute Mexiko-Stadt). Um 1600 war das gesamte Gebiet des heutigen Mexiko bis an den Rio Bravo del Norte (der heute die Grenze zu den USA bildet) in spanischer Hand. Von mexikanischem Gebiet aus drangen die Spanier immer weiter in Richtung Norden vor und gründeten auf dem Gebiet der heutigen USA mehrere Städte (wie z.B. Santa Fe im heutigen amerikanischen Bundesstaat New Mexico).
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begannen erste Aufstände gegen die Conquistadoren bzw. die sich herausbildende weiße Führungsschicht der Kreolen (als Nachfahren der Eroberer). Zu diesem Zeitpunkt bestanden rund 90% der Bevölkerung aus Indios und Mestizen, also Mischlingen aus Weißen und Indios. Gleichermaßen herrschten Spannungen zwischen den in Mexiko geborenen Kreolen und dem spanischen Mutterland, das 1808 im Rahmen der Napoleonischen Kriege an Frankreich gefallen war.
Mehrere Aufstände wurden niederschlagen (1810 unter dem Priester Miguel Hidalgo y Costilla, 1815 unter José María Morelos y Pavón). 1821 verbündete sich der kreolische General Agustín de Iturbide mit den aufständischen Indianern und befreite das Land von der spanischen Herrschaft. Ein Jahr später ließ sich der General vom Militär als Agustín I. zum Kaiser von Mexiko erklären. Eine Zeit politischer Unruhen und Wirren begann: 1823 wurde der Kaiser gestürzt und hingerichetet, 1824 die Republik Mexiko ausgerufen. Spannungen zwischen konservativen und liberalen Kräften führten wiederholt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und zu 34 Regierungswechseln innerhalb von 20 Jahren. 1836 löste sich der spätere Bundesstaat Texas von Mexiko, was zum Krieg zwischen den beiden Ländern führte (Mexikanischer Krieg 1846-48). 1847 wurde Mexiko-Stadt von US-amerikanischen Truppen eingenommen, erst ein Friedensvertrag führte zu einem Ende der Kampfhandlungen. Das unterlegene Mexiko mußte auf alle Gebiete nördlich des Río Grande verzichten.
Der liberale mexikanische Staatspräsident Benito Juarez García leitete 1858 die Trennung von Staat und Kirche ein. 1861 verkündete er den bevorstehenden Staatsbankrott Mexikos. Daraufhin intervenierten die Gläubigerstaaten Spanien, Großbritannien und Frankreich. Französische Truppen besetzten 1863 Mexiko-Stadt und riefen die Monarchie aus. Der österreichische Erzherzog Maximilian wurde als Kaiser eingesetzt, doch schon kurz darauf gestürzt und erschossen. Die Republikaner unter Benito Juárez García besiegten die französischen Truppen, Juárez wurde erneut mexikanisches Staatsoberhaupt.
Unter dem Staatspräsidenten Porfirio Díaz war Mexiko trotz dessen autoritären Führungsstils eine Zeit innenpolitischer Ruhe vergönnt. Unter Díaz begann das Land mit der Erdölförderung (unterstützt von den USA) und der Modernisierung (Ausbau der Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser). 1911 wurde Díaz zum Rücktritt gezwungen: eine von breiten Teilen der Bevölkerung getragene Sozialrevolution (u.a. unter Francisco „Pancho“ Villa und Emiliano Zapata) gegen Großgrundbesitz und die Vormachtsstellung der katholischen Kirche führte zum Regierungswechsel. Erneut begann eine Zeit der schnellen politischen Machtwechsel und innenpolitischer Unruhen: Díaz‘ Nachfolger Madero wurde nach zwei Jahren ermordet, sein Nachfolger General Victoriano Huerta wurde wenig später gestürzt.
1917 erhielt das Land unter dem Präsidenten Venustiano Carranza eine neue Verfassung, die im wesentlichen bis heute gültig ist. Neben einer Landreform und der Einschränkung der Kirchenprivilegien enthielt die Verfassung u.a. Bestimmungen zum Ausbau von Bildungswesen und Sozialleistungen, für den Achtstundentag und für Mindestlöhne. Zudem wurde die Amtszeit des Staatspräsidenten auf vier Jahre begrenzt. 1920 wurde auch Carranza gestürzt und ermordet. Erst seinem Nachfolger Alvaro Oberegón gelingt es, die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Land zu beenden.
In den 30er Jahren begann unter dem Präsidenten Lázaro Cárdenas die rasch voranschreitende Industrialisierung des Landes. Die politischen Reformkräfte sammelten sich in der 1929 gegründeten Nationalrevolutionären Partei (PNR), die bis Ende der 90er Jahre die Präsidenten Mexikos stellte (1946 umbenannt in Partei der Institutionalisierten Revolution, PRI). Cárdenas verstaatlichte die Erdölgesellschaften, die sich weitgehend in britischen und US-amerikanischen Händen befunden hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Mexiko 1942 auf der Seite der Alliierten eintrat, wurde die Verbesserung der Infrastruktur und der Ausbau der Industrie weiter vorangetrieben. In den 70er Jahren führte die Entdeckung neuer Erdöllagerstätten zu umfangreichen Investitionen, die auf ausländischen Krediten basierten. Zur hohen Auslandsverschuldung kam Anfang der 80er Jahre der Verfall der Weltmarktpreise für Rohöl, der für Mexikos Wirtschaft schwere Einbußen mit sich brachte.
Ein teilweise von außen diktiertes rigoroses Sparprogramm konnte die wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht beseitigen. Gut die Hälfte der mexikanischen Bevölkerung lebte in ärmlichen Verhältnissen, immer wieder versuchten zahllose Mexikaner, illegal die Grenze zu den USA zu passieren, um dort Arbeit zu finden.
1994 kam es im mexikanischen Bundesstaat Chiapa zu einem Aufstand linksgerichteter Indios (sog. Zapatisten), die soziale Verbesserungen und die rechtliche Gleichstellung der indianischen Ureinwohner forderten. Die Regierung schlug den Aufstand mit Waffengewalt nieder, der Konflikt schwelte aber weiter. Eine Verfassungsänderung 1996 verankerte das Selbstbestimmungsrecht der Indios und die Anerkennung ihrer Sprachen, worauf ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den Aufständischen in Chiapas und der Regierung zustande kam. 1997 brach der Konflikt erneut aus, als regierungsfreundliche paramilitärische Verbände ein Massaker unter Indios anrichteten. Obwohl die Verantwortlichen vor Gericht gestellt wurden, fanden die Unruhen kein Ende. Die Regierung weigerte sich, ihre Truppen aus dem Gebiet abzuziehen und löste die autonomen Gemeindeverwaltungen auf, worauf es auch in Mexiko-Stadt zu großen Demonstrationen kam.
Im Juli 1997 verlor die seit den 30er Jahren fast ununterbrochen regierende PRI (Partido Revolucionario Institucional) erstmals die Mehrheit der Stimmen bei den Parlamentswahlen. Im Dezember 2000 wurde Vicente Fox Quesada von der bürgerlichen Partei der Nationalen Aktion (PAN) neuer Staatspräsident des Landes. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörten der Abzug der Regierungstruppen aus der Provinz Chiapas und Bemühungen um einen Friedensschluß mit den Zapatisten. Im März 2001 wurden offiziell die 1996 abgebrochenen Friedensverhandlungen wieder aufgenommen. 

Politisches System
Hauptstadt: Mexiko-Stadt      
In der Bundesrepublik der Vereinigten Mexikanischen Staaten herrscht ein Präsidialsystem, das auf der (inzwischen mehrfach geänderten bzw. ergänzten) Verfassung von 1917 basiert. Staatsoberhaupt und gleichzeitig Chef der Regierung ist der Staatspräsident (seit Dezember 2000 Vicente Fox Quesada, PAN). Er wird vom Volk für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt und ernennt die Mitglieder der Regierung. Die Legislative liegt beim Nationalkongreß, der aus zwei Kammern besteht: Der Senat besteht aus 128 Abgeordneten als Vertretern der einzelnen Bundesstaaten, die Kandidaten werden für eine Amtszeit von 6 Jahren teilweise direkt gewählt, teilweise über Parteilisten. Das Abgeordnetenhaus hat 500 Sitze, 300 Abgeordnete werden direkt vom Volk gewählt für drei Jahre, 200 über Parteilisten. Gesetzesentwürfe bedürfen der Zustimmung beider Kammern.
Die aktuelle Regierungspartei ist die bürgerliche „Partido Acción Nacional“ (PAN). Von 1929 bis zum Juli 2000 regierte in Mexiko die linksorientierte „Partido de la Revolución Democrática“ (PRD).
Mexiko besteht aus 31 Staaten (Estados) und einem Bundesdistrikt mit der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die Staaten verfügen über eine gewisse innere Autonomie und haben eigene Verfassungen, die sich an der Bundesverfassung orientieren. Das Rechtssystem lehnt sich an spanische und französische Vorbilder an.


Wirtschaft   
Mexiko ist eine der wichtigsten Volkswirtschaften in Lateinamerika und gehört zu den am stärksten industrialisierten Ländern in der Region. Das exportstarke Land verfügt über Erdöl- und Erdgasvorkommen und umfangreiche andere Bodenschätze. Nach der schweren Wirtschaftskrise der 80er Jahre und der Krise 1994 verzeichnet Mexiko seit Mitte der 90er Jahre einen eindeutigen Aufwärtstrend und stabile Wachstumsraten. Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2000 bei knapp 7%. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2000 bei offiziell 2,2%, die Inflationsrate bei 8,7%. Das geschätzte Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung liegt bei etwa 4000 US-Dollar, wobei das Einkommen sehr ungleich verteilt ist. Immer noch leben rund 30% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.
Die Landwirtschaft trägt etwa 8% zum Bruttoinlandsprodukt bei, hier sind ein Viertel aller Erwerbstätigen beschäftigt. Auf 12% der Landesfläche kann Ackerbau betrieben werden, knapp 40% sind als Weideland nutzbar. Für die Exportwirtschaft sind die Haziendas der Großgrundbesitzer von Bedeutung, während für die Versorgung der Bevölkerung Kleinbetriebe bzw. die sog. Ejidos maßgeblich sind: der landwirtschaftlich nutzbare Boden ist Staatseigentum, wird aber entweder gemeinschaftlich in Genossenschaften (Ejidos) oder von einzelnen Bauern (Ejidatarios) bewirtschaftet. Die großangelegten Haziendas befinden sich meist in Gebieten, in denen eine gute Bewässerungslage eine intensive Bodennutzung möglich macht. Hier werden vor allem Baumwolle, Tabak, Kaffee, Gemüse und Obst angebaut. Im zentralen Hochland werden in kleineren Betrieben vor allem Mais, Bohnen, Reis und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut. Die Forstwirtschaft spielt eine untergeordnete Rolle, Viehwirtschaft wird ebenfalls meist auf Haziendas betrieben.
Mexiko verfügt über reiche Vorkommen an Bodenschätzen, schon die Conquistadoren förderten Silber und Gold. Heute steht Erdöl und Erdgas im Mittelpunkt, nach neuen Funden in den 90er Jahren befindet sich Mexiko unter den zehn Ländern der Erde mit den größten Erdölreserven. Seit 1938 ist die Förderung und Vermarktung in staatlichen Händen (PEMEX). Neben der Deckung des eigenen Energiebedarfs (etwa drei Viertel mit fossilen Brennstoffen) ist Erdöl ein wichtiges Exportgut (rund 10% des Gesamtexportvolumens). Die wichtigsten Fördergebiete befinden sich im Golf von Mexiko und im Golf von Campeche. Andere Bodenschätze spielen für die mexikanische Wirtschaft eine untergeordnete Rolle, obwohl das Land z.B. zu den größten Silberproduzenten weltweit gehört. Weitere bedeutende Rohstoffe sind Gold, Kupfer, Zink, Eisen, Blei, Mangan und Wismut.
Die Industrie erwirtschaftet rund 30% des Bruttoinlandproduktes und beschäftigt etwa 28% der Erwerbstätigen. Bedeutendste Bereiche sind die Nahrungsmittel- und die petrochemische Industrie, weiter Elektrotechnik und Elektronik.
Der Dienstleistungssektor trägt etwa 61% zum Bruttoinlandsprodukt bei, knapp die Hälfte der Erwerbstätigen sind hier beschäftigt. Die in den 80er Jahren zum Großteil verstaatlichten Banken wurden in den letzten Jahren weitgehend wieder reprivatisiert, die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen. Wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus: über neun Millionen Urlauber lassen Devisen in Höhe von 4,6 Milliarden US-Dollar im Land.
Wichtigste Handelspartner beim Export und beim Import sind die USA (88% bzw. 73%), gefolgt von Kanada bzw. Japan und den EU-Ländern. Durch das im Juli 2000 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko wird eine Ausweitung des Handels erwartet.
Die Infrastruktur des Landes ist gut ausgebaut. Es stehen rund 250.000 km Straße und 26.000 km Schiene zur Verfügung. Sowohl am Golf von Mexiko als auch an der Pazifikküste sind mehrere große Seehäfen (z.B. Veracruz, Salina Cruz). Es gibt rund 40 internationale Flughäfen im Land.