ZUM HAUPTMENU / Kurzer Reisebericht: Vietnam/Thailand - März 2002
     
 
Sozialistische Republik Vietnam

Geografie
Das Land         
Die Sozialistische Republik Vietnam liegt in Südostasien und grenzt im Norden an China, im Osten und Süden an das Südchinesische Meer und im Westen an Kambodscha und Laos. Mit einer Fläche von 331.100 qkm ist das Land etwas kleiner als Deutschland. Der Name geht auf eine chinesische Bezeichnung des Landes zurück: „Nam Viêt“ bedeutet „Land im Süden“.
Vietnam dehnt sich als langer Streifen entlang der Küste zum Südchinesischen Meer, die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt über 1600 km. Im Norden ist das Land maximal 600 km, im Süden bis zu 350 km breit. An der schmalsten Stelle beträgt die Entfernung zwischen dem Nachbarland Laos und dem Südchinesischen Meer nur 60 km.
Vietnam läßt sich in drei Großlandschaften untergliedern: Tonking (Bac Bo) im Norden, Annam (Trung Bo) in der Mitte und Kotschinchina (Nam Bo) im Süden.
Tonking im Norden besteht überwiegend aus Bergland, das Ausläufer des chinesischen Yunnan-Gebirges darstellt. Hier liegt die höchste Erhebung des Landes, der Fan Si Pan mit 3142 m. Das Gebirgsland umschließt das rund 22.000 qkm große, dichtbesiedelte Tonking-Delta. Hier vereinen sich kurz vor der Stadt Hanoi der Rote Fluß (Song Hong, auch: Hong Ha), der in China entspringt, und dessen Nebenarm Schwarzer Fluß (Song Da) und bilden ein Delta, bevor sie in den Golf von Tonking münden.
Den mittleren Teil des Landes bildet das Bergland von Annam (Annamitische Kordillere), das Höhen bis etwa 2500 m erreicht. In Richtung Südchinesisches Meer fällt das Gebirge steil ab, in Richtung Westen in Form von mehreren Plateaus, die auf einer Höhe von 1000 bis 2000 m über dem Meeresspiegel liegen. Der Küstenstreifen östlich des Gebirges ist an den meisten Stellen nur schmal.
Der Norden Kotschinchinas wird von Hochebenen eingenommen, die in Richtung Südwesten zum Mekong-Tiefland abfallen. Der Mekong ist mit einer Länge von rund 4500 km der längste Fluß Südostasiens und fließt rund 220 km aus Kambodscha kommend durch Vietnam, bevor er ins Südchinesische Meer mündet. Der Mekong ist auf vietnamesischem Gebiet in eine Vielzahl von Flüssen aufgefächert, die das riesige Mekongdelta (ca. 70.000 qkm) speisen.
Die Hauptstadt Vietnams, Hanoi, liegt im Norden des Landes.

Klima
In Vietnam herrscht überwiegend tropisches Monsunklima mit hohen Niederschlagsmengen. Im Süden des Landes sind die Temperaturen das ganze Jahr über hoch, in Ho-Chi-Minh-Stadt werden im Januar Mittelwerte von 26°C, im Juli von 29°C gemessen. In Hanoi im Norden des Landes liegen die Julimittelwerte ebenfalls um die 29°C, während die Januartemperaturen mit durchschnittlich 17°C deutlich niedriger sind als im Süden Vietnams. Durchschnittlich werden zwischen 1500 bis 2000 mm Regen pro Jahr gemessen, doch es gibt große regionale Unterschiede: Im Mekongdelta erreichen die Niederschläge teilweise bis zu 4000 mm und fallen meist während der Sommermonate (Südwestmonsun). An den Hängen der Annamitischen Kordillere fallen an die 2500 mm Regen pro Jahr, meist während der Wintermonate (Nordostmonsun). In den Gebirgsregionen im Nordwesten des Landes gehen die Niederschläge teilweise als Schnee nieder. Taifune führen durch die extremen Regenfälle binnen kurzer Zeit (bis zu 500 mm am Tag) immer wieder zu verheerenden Überschwemmungen vor allem in Tonkin.

Flora und Fauna
Etwa ein Viertel der Landesfläche wird von Wäldern bedeckt, ein Teil der ursprünglichen Waldgebiete wurden während des Vietnamkrieges durch chemische Entlaubungsmittel vernichtet, weitere Gebiete (vor allem in den Flußdeltas) wurden zu landwirtschaftlicher Nutzfläche umgestaltet bzw. als Energiequelle abgeholzt. In den Gebirgen im Nordwesten Vietnams finden sich überwiegend Nadelwälder, in den höheren Lagen der Annamitischen Kordillere und in Kotschinchina wächst tropischer Regenwald. In tieferen Lagen findet sich hier laubabwerfender Monsunwald, an der Küste Mangrovenwald.
In den intakten Waldgebieten findet eine Vielzahl von Tieren einen geeigneten Lebensraum. Dazu gehören u.a. Leoparden, Tiger, Indische Elefanten, Tapire, Bären, verschiedene Affenarten, zahlreiche Schlangen und Reptilien. In Schutzgebieten wie z.B. dem Cat-Ba- und dem Cuc-Phuong-Nationalpark finden sich vom Aussterben bedrohte Tierarten wie z.B. Vu-Quang-Wildrind, Riesen Muntjak und eine erst in den 90er Jahren entdeckte Unterart des Java-Nashorns. Zur artenreichen Vogelwelt gehören u.a. Sarus-Kranich, Blauracke, Nashornvogel, Riesen-Eisvogel, Schlangenadler, Fischeule und Smaragd-Fliegenschnäpper.


Kultur und Gesellschaft

Bevölkerung   
Insgesamt leben in Vietnam rund 79 Millionen Menschen, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 222 Einwohner pro Quadratkilometer, wobei die Deltagebiete wesentlich dichter besiedelt sind. Nur ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Städten, die größte Stadt ist Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) im Süden des Landes in Kotschinchina mit rund 4 Millionen Einwohnern, gefolgt von der Hauptstadt Hanoi mit etwa 2,2 Millionen und Haiphong, das ebenfalls im Norden des Landes liegt und rund 1,6 Millionen Einwohner hat.
Insgesamt gibt es etwa 60 verschiedene Ethnien im Land. Knapp 90% der Bevölkerung sind Vietnamesen, die sich selbst als Kinh bezeichnen. Minderheiten sind Chinesen, Thai, Khmer, Muong, Cham und Miao. Die Amtssprache ist Vietnamesisch, Englisch gewinnt als Handelssprache immer mehr an Bedeutung. Etwa die Hälfte der Bevölkerung Vietnams bekennt sich zum Buddhismus, verbreitet sind auch der Konfuzianismus und der Daoismus. Christen machen etwa 5% der Bevölkerung aus, daneben gibt es mehrere buddhistische Sekten (z.B. Hoa Hao).
Das Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 1,8%. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 370 US-Dollar gehört Vietnam zu den ärmsten Ländern Asiens. Dennoch ist das Gesundheits- und Bildungssystem sehr gut ausgebaut und auch in den ländlichen Gebieten wirksam. Die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 66 Jahren. Für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren besteht Schulpflicht, die Analphabetenquote lag 1999 bei 7%.

Geschichte
Etwa ab dem 4. Jahrhundert v.Chr. drangen Angehörige der ursprünglich aus Südchina kommenden Viet-Völker auf das Gebiet des heutigen Vietnam vor. Im Delta des Roten Flußes wurde um 208 v.Chr. das Königreich Nam-Viêt gegründet („Land im Süden“). Im 2. Jahrhundert v.Chr. eroberten die Truppen des chinesischen Kaisers das Gebiet und übernahmen die Herrschaft über das Reich der Viet, das nun als Provinz Annan („befriedeter Süden“) zum Reich der Mitte gehörte. Infolge wurden die chinesische Kultur, Verwaltung und Religion (Buddhismus) verbreitet und prägten das Land. Aufstände der Bevölkerung gegen die chinesische Oberherrschaft wurden niedergeschlagen, die Führungsschicht des Landes durch chinesische Staatsbeamte ersetzt.
Die chinesische Herrschaft endete im 10. Jahrhundert n.Chr., als es Ngô Quyen gelang, die kaiserlichen Truppen aus dem Land zu vertreiben. Er begründete das Reich Dai Viêt, das zunächst nur den Norden des heutigen Vietnam umfaßte. Im Süden herrschte das Reich Champa seit dem 2. Jahrhundert n.Chr. Das Reich Dai Viêt orientierte sich vom Aufbau her am chinesischen Kaiserreich: ein gut strukturierter Verwaltungsapparat und ein absoluter, durch den Buddhismus legitimierter Kaiser lenkten das zentralistische Reich, dessen Hauptstadt Thang-long war, das heutige Hanoi.
Im 11. Jahrhundert gelang eine Ausdehnung des Gebietes nach Süden, die dort herrschenden Cham wurden zurückgedrängt. Im 14. Jahrhundert wurde Dai Viêt vorübergehend erneut von chinesischen Truppen der nun herrschenden Ming-Dynastie besetzt, diese konnten jedoch unter Führung des Partisanen Le-loi schon nach kurzer Zeit wieder vertrieben werden. Le-loi begründete die Le-Dynastie, die offiziell bis 1788 herrschte. Allmählich verlor der Kaiser an Macht gegenüber einem neu entstandenen Adel: Viele wichtigen Posten wurden von Mitgliedern einflußreicher Familien besetzt, die miteinander konkurrierten. Im 16. Jahrhundert dominierten vor allem zwei Adelsfamilien das politische Geschehen im Reich: nach der Entmachtung des Kaisers herrschte im Norden die Familie Trinh von Thang-long aus, im Süden die Nguyen von Huë aus. Sie bekämpften sich gegenseitig und versuchten, ihre Reiche auch in Richtung Westen (heute Laos und Kambodscha) weiter auszudehnen. Diese Zweitteilung des Landes führte zu unterschiedlichen Entwicklungen der Landesteile: während sich im Norden ein starkes und freies Bauerntum entwickeln konnte, blieben im Süden die feudalistischen Strukturen weitgehend unverändert.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen die ersten Europäer nach Dai Viêt, überwiegend Spanier, Niederländer und Franzosen, die vor allem die Nguyen-Familie u.a. mit Waffen belieferte. Nach dem Tay-Son-Aufstand, der 1772 im Süden Vietnam ausbrach, wurde das geteilte Land unter Führung von Nguyen Anh und mit Hilfe französischer Truppen wiedervereinigt. Die Hauptstadt des 1804 in Viêt Nam umbenannten Reiches wurde Huë. In den folgenden Jahrzehnten nahm der Einfluß Frankreichs in Vietnam rasch zu, zwischen 1862 und 1885 besetzten französische Truppen allmählich das Land und erklärten Kotschinchina, Annam und Tonking zu französischen Protektoraten. 1887 wurden die drei Gebiete gemeinsam mit Kambodscha zur „Union Indochina“ zusammengeschlossen, 1893 wurde auch Laos mitangegliedert. Offiziell blieben die Nguyen-Herrscher an der Macht, de facto wurden sie aber von Frankreich aus gelenkt.
Unter der französischen Herrschaft wurde die Landwirtschaft Vietnams modernisiert, es entstanden große Plantagen (Kaffee, Tee, Kautschuk), die für den Export arbeiteten. Auch Rohstoffe wurden gefördert und exportiert. Nutznießer des regen Handels waren neben den Franzosen in Vietnam selbst nur die Mitglieder einer kleinen Oberschicht. Demgegenüber lebte der Großteil des vietnamesischen Volkes in großer Armut. Während Reis-Rekordernten die Exporterlöse steigerten, litten die Vietnamesen Hunger. Immer wieder führte dies zu Aufständen gegen die französische Kolonialmacht, die aber von den französischen Truppen – oft blutig – niedergeschlagen wurden. Der Yen-Bai-Aufstand von 1930 wurde maßgeblich von der vier Jahre zuvor gegründeten Vietnamesischen Nationalpartei getragen. Im gleichen Jahr gründete Ho Chi Minh (1890-1969) die Kommunistische Partei Vietnams, die sich mit den gleichgesinnten Bewegungen in Laos und Kambodscha zur Kommunistischen Partei Indochinas zusammenschloß. Ho Chi Minh (geboren als Nyuyen That Thanh) hatte jahrelang in Frankreich gelebt und gehörte dort zu den Gründern der KP Frankreichs.
1940 unterlag Frankreich im Rahmen des Zweiten Weltkriegs dem Deutschen Reich. Vietnam wurde im Mai 1941 von japanischen Truppen besetzt, die infolge fast ganz Südostasien einnahmen. Im gleichen Jahr gründete die Kommunistische Partei Indochinas gemeinsam mit vietnamesischen Nationalisten die „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ (Viet Minh), die unter der Führung von Ho Chi Minh stand. Nach der japanischen Kapitulation im August 1945 proklamierte er die Demokratische Republik Vietnam, dessen erster Präsident er selbst wurde. Frankreich entsandte daraufhin Truppen in das Land. Die französische Staatsführung erklärte sich bereit, die Unabhängigkeit Vietnams im Rahmen der Indochinesischen Föderation und der Französischen Union anzuerkennen, doch sollten weiterhin französische Truppen im Land verbleiben. Nach mehreren Zwischenfällen zwischen der Vietnamesischen Volksarmee und französischen Truppen brach im November 1946 der sog. Indochina-Krieg aus, der bis 1954 andauern sollte. Im Verlauf des Kriegs wurde die Demokratische Volksrepublik Vietnam unter der Führung von Ho Chi Minh von der Sowjetunion und ab 1949 auch von China unterstützt, während die von Frankreich in Saigon eingesetzte „Provisorische Zentralregierung Vietnams“ mit dem ehemaligen Kaiser Bao Dai an der Spitze von Großbritannien und den USA als rechtmäßig anerkannt wurde. Die breite Masse des vietnamesischen Volkes stand im Indochina-Krieg auf der Seite der kommunistischen Viet Minh. Der Konflikt endete mit der Niederlage Frankreichs bei Diên Biên Phu im Mai 1954, die französischen Truppen zogen sich aus Nordvietnam zurück. Bald darauf gab Frankreich seine Stellung als Kolonialmacht in Indochina auf.
Das Genfer Indochina Abkommen von 1954 trug der Lage in Vietnam Rechnung und schrieb zunächst eine provisorische Teilung des Landes entlang des 17. Breitengrades fest. Im Norden entstand die Demokratische Republik unter Führung von Ho Chi Minh mit Hanoi als Hauptstadt, der südliche Teil des Landes mit der Hauptstadt Saigon wurde ein Königreich unter dem ehemaligen Kaiser Bao Dai. Für 1956 wurden Wahlen avisiert mit dem Ziel einer Wiedervereinigung der Landesteile.
Doch die beiden Teile Vietnams entwickelten sich vollkommen unterschiedlich: in Südvietnam errichtete der neue Staatschef Ngô Dinh Diêm, der den ehemaligen Kaiser Bao Dai noch 1955 gestürzt hatte, die antikommunistische Republik Vietnam, die seitens der USA massive Wirtschaftshilfe erhielt. Gleichzeitig festigte Ho Chi Minh seine Position in Nordvietnam und trieb mit Unterstützung der kommunistischen Sowjetunion und der Volksrepublik China die Industrialisierung des Landes voran. Als sich der südvietnamesische Staatschef 1956 weigerte, die vereinbarten Wahlen zur Wiedervereinigung des Landes abzuhalten und allmählich einen diktatorischen Führungsstil entwickelte, begann eine verstärkte Untergrundtätigkeit verschiedener Widerstandsgruppen in Südvietnam, die sich 1960 zur Nationalen Befreiungsfront (Front National de Libération du Vietnam-Sud/FNL, gemäß der Führungsrolle der Kommunisten Viet Cong genannt) zusammenschlossen. Bis 1964 kontrollierten die Verbände der Viet Cong, die durch Nordvietnam unterstützt wurden, weite Teile Südvietnams.
Der südvietnamesische Staatschef Ngô Dinh Diêm wurde 1963 vom Militär gestürzt, das die Macht übernahm. Ab 1962 entsendeten die USA über 15.000 Militärberater nach Südvietnam, befürchtet wurde eine kommunistische Machtübernahme. 1964 kam es nach einem angeblichen Angriff auf US-Kriegsschiffe durch Nordvietnam (Tonking-Zwischenfall) zum offenen Eingreifen der USA in den Vietnam-Konflikt. Insgesamt wurden bis 1969 über eine halbe Million US-Soldaten entsendet, nordvietnamesische Ziele wurden durch die US-Luftwaffe bombardiert. Ziel der Angriffe war auch der sog. Ho-Chi-Minh-Pfad, ein Nachschubweg der Viet Cong, der teilweise durch Laos und Kambodscha führte. Die USA setzten u.a. chemische Entlaubungsmittel ein, um die Guerillakämpfer in den undurchdringlichen Wäldern aufzuspüren. Ab 1968 begannen unter dem wachsenden Druck der amerikanischen Öffentlichkeit erste Verhandlungen über einen Waffenstillstand zwischen Nord- und Südvietnam bzw. den USA. Im Januar 1973 wurde zwischen den Kriegsparteien ein Waffenstillstandsabkommen beschlossen, das den vollständigen Abzug der US-amerikanischen Truppen und eine gemeinsame Übergangsregierung für Südvietnam mit folgenden freien Wahlen vorsah. Im September 1969 war Ho Chi Minh gestorben und die politische Macht in Nordvietnam war in den Händen der sog. „Vierergruppe“ (Pham Van Dong, Vo Nguyen Giap, Truong Chinh, Le Duan).
Nach dem Abzug der USA aus Südvietnam wurde der Krieg zwischen Nord- und Südvietnam weitergeführt und endete mit der Kapitulation Südvietnams im April 1975. Saigon wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt. Insgesamt rund 3,3 Millionen Vietnamesen fielen dem Vietnamkrieg zum Opfer, auf amerikanischer Seite verloren knapp 60.000 Soldaten ihr Leben.
Im Juli 1976 wurden beide Landesteile, in denen große Gebiete verwüstet waren, zur Sozialistischen Republik Vietnam vereint. Im Süden begann die kommunistische Umgestaltung des bestehenden Systems in Form von Verstaatlichungen, Kollektivierung und Umerziehung der Bevölkerung. Hundertausende flohen im Verlauf der nächsten Jahre in andere südostasiatische Länder („Boat People“).
Ende 1978 marschierten vietnamesische Truppen in Kambodscha ein und stürzten dort das chinafreundliche Regime der Roten Khmer. Daraufhin marschierten chinesische Truppen in Vietnam ein, zogen aber nach zwei Monaten wieder ab. Wiederholt kam es zu Grenzzwischenfällen zwischen beiden Ländern. Anfang der 80er Jahre kam es in Vietnam durch Nahrungsmittelknappheit zu schweren Unruhen unter der Bevölkerung. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre reduzierte die Sowjetunion ihre finanzielle Unterstützung, worauf die vietnamesische Wirtschaft schwere Einbußen erlitt und sich die Lage der vietnamesischen Bevölkerung weiter verschlechterte. 1989 mußte Vietnam seine Truppen aus Kambodscha abziehen, zwei Jahre später unterzeichneten die Führungen beider Länder einen Friedensvertrag.
Wirtschaftsreformen führten zu einer Reprivatisierung einiger Betriebe. Unter der Führung von Le Duc Anh (Staatspräsident 1992-97) und Vo Van Kiet (Ministerpräsident 1991-97) öffnete sich das Land in Richtung Westen und für ausländische Investoren. Eine neue Verfassung hatte 1992 die Umwandlung der Plan- in eine Marktwirtschaft mit sozialistischer Orientierung festgeschrieben. Daraufhin kam es zu einer Reihe von Handelsverträgen (z.B. mit Japan und Australien), die USA hoben 1994 das seit 1975 bestehende Handelsembargo gegen Vietnam auf (seit 1995 bestehen wieder offizielle diplomatische Beziehungen). Internationale Entwicklungshilfe begann nach Vietnam zu fließen, das Mitte der 90er Jahre zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte. 1995 wurde Vietnam auch Mitglied des 1967 gegründeten südostasiatischen Staatenverbundes ASEAN (Association of Southeast Asian Nations, bestehend aus Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Philippinen; seit 1984 auch Sultanat Brunei).
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre führten die inzwischen durchgeführten Wirtschaftsreformen zu einem Wirtschaftsaufschwung, dennoch litt das Land unter einer hohen Auslandsverschuldung von fast 30 Milliarden US-Dollar und war auch weiterhin auf ausländische Entwicklungshilfe angewiesen.
1997 vollzog sich in der politischen Führungsspitze Vietnams ein Wechsel, sowohl Staats- als auch Ministerpräsident konnten aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl antreten. Neuer Staatspräsident wurde der 60jährige Tran Duc Luong, neuer Ministerpräsident und damit Regierungschef wurde Phan Van Khai.

Politisches System
Hauptstadt: Hanoi      
Vietnam ist eine sozialistische Republik mit Einparteiensystem, die derzeit gültige Verfassung ist von 1992. Die Nationalversammlung mit 450 Abgeordneten, die für eine Amtszeit von fünf Jahren vom Volk gewählt sind, ernennt den Staatspräsidenten (seit September 1997 Tran Duc Luong) für eine Amtszeit von fünf Jahren. Der Staatspräsident ernennt den Ministerpräsidenten als Chef der Regierung (seit September 1997 Phan Van Khai) und auf Empfehlung des Ministerpräsidenten die Mitglieder des Kabinetts. Die Nationalversammlung tritt zweimal jährlich zusammen.
Die Richtlinien der Politik werden vom Politbüro der Kommunistischen Partei Vietnams bestimmt, das derzeit 18 Mitglieder hat. Es wird seit April 2001 von Generalsekretär Nong Duc Manh geleitet. Höchstes Parteiorgan ist das Zentralkomitee (ZK) der Partei, das normalerweise zweimal im Jahr tagt. Alle fünf Jahre wird ein Parteikongress abgehalten. Auch die Armee des Landes untersteht der Partei, nicht dem Parlament.


Wirtschaft   
Seit Mitte der 80er Jahre vollzieht sich ein Wandel von der Planwirtschaft hin zu einer marktorientierten Wirtschaft sozialistischer Ausprägung. Vor allem die Privatisierung der Landwirtschaft führte zu einem Aufschwung, so ist Vietnam inzwischen zweitgrößter Reisexporteur weltweit. Die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen mit niedrigen Steuersätzen locken ausländische Firmen an, weitere Pluspunkte der vietnamesischen Wirtschaft sind die bedeutenden Rohstoffvorkommen des Landes und der hohe Ausbildungsgrad der Bevölkerung. Dennoch sind die Folgen der Kriege, des jahrzehntelangen Handelsembargos der westlichen Staaten und der Planwirtschaft noch nicht überwunden. Schätzungsweise 38% der Bevölkerung lebte Ende der 90er Jahre noch unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen wird auf rund 370 US-Dollar geschätzt. Vietnam gehört immer noch zu den armen Ländern der Welt.
In der Landwirtschaft sind rund 65% der Erwerbstätigen beschäftigt. Das wichtigste Anbauprodukt ist Reis, teilweise sind bis zu drei Ernten im Jahr möglich. Für den Export werden weiter Kaffee, Tee, Kautschuk und Baumwolle angebaut, für den Eigenbedarf der Bevölkerung auch Sojabohnen, Bananen, Zuckerrohr und Kartoffeln.
Die bedeutendsten Bodenschätze Vietnams sind Stein- und Braunkohle, Erze, Erdöl und Erdgas. Die Schwerindustrie und die chemische Industrie sind überwiegend im Norden des Landes angesiedelt, von Bedeutung sind weiter der Maschinenbau, Elektrotechnik, die Textil- und die nahrungsmittelverarbeitende Industrie.
Die wichtigsten Ausfuhrgüter Vietnams sind Rohöl, Reis, Meeresfrüchte, Kohle, handwerkliche und leichtindustrielle Erzeugnisse (Textilien, Schuhe), Kaffee, Tee, Pfeffer und Kautschuk. Bedeutendste Handelspartner beim Export sind Japan, Singapur, China und Deutschland. Importiert werden Kraftstoffe und andere Erdölprodukte, Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Baumwollstoffe und -garne, Stahl, Zucker, Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge und pharmazeutische Erzeugnisse, hier sind Japan, Singapur, Südkorea, Taiwan und China die bedeutendsten Handelspartner.
Das Verkehrsnetz ist durch die Kriege noch beeinträchtigt. Insgesamt stehen rund 93.000 km Straße zur Verfügung, das Schienennetz umfaßt ca. 2600 km. Für das Transportwesen ist die Binnenschiffahrt von Bedeutung, vor allem in den großen Flußdeltas. Wichtige Hochseehäfen sind Hai Phong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt verfügen über internationale Flughäfen. 


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